Der Erfolg des von Alessandro Piccinini (1566-1639) erfundenen „Arciliuto“ (Erzlaute) beruhte auf der Kombination zweier entscheidender Neuerungen: der Verlängerung der Baßsaiten und der Benutzung einer hohen, durchdringenden Stimmung auf einem großmensurierten, resonanzstarken Instrument. Die Verwendung der hohen Altlautenstimmung, die für Mensuren um 60 cm konzipiert war, auf einem Instrument in Tenorgröße mit einer etwa 70 cm langen Mensur war nur unter Verwendung stärkerer Saiten zu realisieren, was wiederum eine höhere Zugspannung zur Folge hatte. Das verhalf diesem gewöhnlich mit Fingernägeln gespielten Instrument zu einem bemerkenswerten Durchsetzungsvermögen.
Arciliuti spielten in der Ensemblemusik des 17. Jahrhunderts und bei der Gesangsbegleitung eine bedeutende Rolle. Sie verfügen jedoch auch über ein solistisches Repertoire. [1] Ihre sehr langen Baßsaiten waren immer einzeln, die Griffbrettsaiten kamen sowohl doppelt wie auch einzeln vor.
Vom Arciliuto ist der später so bezeichnete „Liuto attiorbato“ zu unterscheiden, eine kleine, ebenfalls in g gestimmte Altlaute mit durchweg chörigem Bezug, der man ebenfalls verlängerte Baßsaiten zugefügt hatte. Für dieses Instrument haben italienische Komponisten des 17. Jahrhunderts ein beachtliches solistisches Repertoire hinterlassen, dessen Ausführung auf dem gleichgestimmten, jedoch größer mensurierten Arciliuto dieser Zeit grifftechnische Probleme mit sich bringt.
Da der Liuto forte in g aufgrund seiner Deckenkonstruktion auch historische Arciliuti an Lautstärke übertrifft, kann seine Mensur kleiner gehalten werden (ca. 61-62 cm), ohne daß das Instrument an Durchsetzungsvermögen verliert. Er ist dadurch imstande, sowohl Aufgaben im Ensemble zu erfüllen wie auch das reizvolle Repertoire für den kleiner mensurierten Liuto attiorbato wiederzugeben.