André Burguete

Liuto forte® – die Laute des 21. Jahrhunderts

Der in den vergangenen Jahren entwickelte Liuto forte ist das Resultat der Bemühungen, die Stärken von spanischer Gitarre und historischer Laute in einem zukunftsweisenden Instrument zu vereinen, das sowohl Gitarristen wie Lautenisten neue Einsatzmöglichkeiten erschließt. Andererseits hat der Liuto forte jedoch auch eigene Qualitäten, die bisher auf einem Zupfinstrument noch nicht zu hören waren und ihn zu einer unverwechselbaren Neuschöpfung machen.

Der Liuto forte läßt hinsichtlich seiner Durchsetzungsfähigkeit im Kammerensemble und bei der Liedbegleitung nicht nur die historische Laute, sondern auch die spanische Gitarre weit hinter sich. Er steckt voller innovativer Ideen und weist eine Vielzahl konstruktiver Verfeinerungen auf. Besondere Kennzeichen des Liuto forte sind die Tragfähigkeit des Tones in großen Sälen und seine machtvolle Resonanz. Beide beruhen nicht zuletzt auf der Anwendung des von Benno Streu entschlüsselten Geheimnisses der Holzpaarung aus der Blütezeit des Lauten- und Geigenbaus.

Spielern, die einen Liuto forte zum ersten Mal in die Hand nehmen, fällt – neben dem geringen Gewicht – sofort die leichte Ansprache auf. Es lassen sich mit geringem Kraftaufwand Lautstärken erzielen, für die auf einer Gitarre wesentlich mehr Energie aufgewendet werden muß und die der historischen Laute völlig unerreichbar sind. Gitarre und historische Laute erwecken darüber hinaus den Eindruck, als würde der Ton nach dem Anschlag zunächst im Innern des Instrumentes verweilen. Beim Liuto forte hingegen ist es, als befände sich zwischen der Luft im Korpus und der Luft außerhalb nichts Trennendes mehr. Der Ton verläßt das Instrument ohne jegliche Verzögerung, verfügt über größte Klarheit in allen Registern und singt gut nach.

Die verschiedenen Modelle des Liuto forte sind, da sie eine mittlere Saitenspannung besitzen und sich sehr leicht handhaben lassen, Gitarristen und Lautenisten in gleichem Maße zugänglich. Sie stellen sie nicht vor die Wahl, ihr angestammtes Instrument zugunsten eines anderen völlig aufgeben zu müssen oder fundamentalistische Entscheidungen wie die zwischen Kuppen- und Nagelspiel zu treffen.

Gleichzeitig ist der Liuto forte – ähnlich dem Cello im Vergleich zur Gambe – jedoch auch etwas gänzlich Eigenständiges, Drittes, dessen enorme Möglichkeiten, insbesondere in der Kammermusik, erst am Beginn der Entdeckung stehen. Ich hege keinen Zweifel, daß vom Ineinanderfließen des lautenistischen und gitarristischen Erfahrungsschatzes, den dieses Instrument ermöglicht, mittelfristig die gesamte zupfende Welt profitieren wird.