Die spanische Gitarre [1] gehört zu den erfolgreichsten Musikinstrumenten des 20. Jahrhunderts. Ungeachtet aller Popularität gelang es ihr jedoch nicht, die Lücke zu schließen, die das Verschwinden der Laute im nachbarocken Ensemble hinterließ. Andres Segovias Hoffnung, daß sie einmal gleichberechtigt neben Cello und Fagott einen Platz im zeitgenössischen Orchester einnehmen würde, blieb leider nur ein Traum.
Der in den vergangenen Jahrzehnten reanimierten historischen Laute wiederum ist es – außerhalb des geschützten Bereiches Alter Musik – bis heute nicht geglückt, das über sie verhängte grausame Urteil der Geschichte zu revidieren und eine Verbreitung zu erlangen, die der der spanischen Gitarre auch nur annähernd vergleichbar wäre. Sie stößt stattdessen aufs Neue an jene akustischen Grenzen, vor denen sie im 18. Jahrhundert schon einmal stand.
Das wiedererwachte Interesse am Spiel der Lauteninstrumente kann schon der geringen Anzahl seiner Anhänger wegen kaum dafür verantwortlich gemacht werden, daß der spanischen Gitarre ein vollständiger Triumph versagt blieb.
Die Gründe dafür liegen eher im unzureichenden Durchsetzungsvermögen dieses Instrumentes in der Kammermusik. Allerdings trug die entschädigungslose Rückgabe großer Teile des früher auch von Gitarristen gepflegten Lautenrepertoires an die Lautenisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts klar zu einer Schwächung der Position der Gitarre bei.